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28.06.08

Europameister - vielleicht nicht nur im Feiern

Egal, wie das EM-Finale zwischen Deutschland und Spanien morgen ausgeht, eins ist für Thomas Herzog schon mal klar: Feiern können die spanischen Fans besser. „500 Spanier feiern so wie 3.000 Deutsche, und ich denke, das wird man in Wien nach dem Spiel auch erleben.“

Thomas hat nicht nur einen deutschen Namen, sondern auch einen deutschen Pass. Dass er dennoch als Fanbetreuer für die Anhänger der spanischen Nationalmannschaft bei der EM unterwegs ist, liegt daran, dass er bis vor Kurzem in Cadíz gelebt und dort in der Jugendarbeit auch viel mit Fußballfans gearbeitet hat. Auch auf internationaler Ebene hat er schon bei der WM in Deutschland Erfahrungen gesammelt und in den vergangenen Wochen war er gemeinsam mit seinen drei Kollegen Fernando Bonat, Jose María Benitez und Ignacio Garcia in zwischen Salzburg, Innsbruck und Wien unterwegs, um die spanischen Fans mit Informationen und Hilfe zu unterstützen.

Salzburg nichts für spanische Essgewohnheiten

Auch aus spanischer Sicht ist die Bilanz – nicht nur sportlich – sehr positiv „Alles war total entspannt, natürlich gab es hier und da mal kleine Probleme, aber nicht Gravierendes. Die spanischen Fans sind sehr partyorientiert und knüpfen auch recht schnell positive Beziehungen zu den Einheimischen und auch den gegnerischen Fans.“

Den größten interkulturellen Clash mussten die spanischen Anhänger im malerischen Mozart-Städtchen Salzburg verkraften, wo nach dem Spiel nirgends mehr etwas zu essen aufzutreiben war und die Lokale und Restaurants gerade die Schließung vorbereiteten. Ungewöhnlich für ein großes Fußballturnier und ganz und gar nicht das Richtige für den spanischen Ess- und Lebensrhythmus.

Für das Finale rechnet Thomas mit etwa 20.000 anreisenden spanischen Fans, die wenigsten jedoch werden sich dabei länger in Wien aufhalten. „Wir haben das schon bei den vorherigen Spielen gesehen, die meisten Fans reisen am Spieltag an und fahren dann auch bald danach wieder weg.“

Große Begeisterung in Spanien – und Österreich

In Spanien selbst werden nun eifrig Charterflüge und Reisebusse organisiert, viele Fans machen sich zum Finale noch spontan auf den Weg nach Wien zu reisen, auch ohne Tickets. Immerhin steht unter Umständen ein historisches Ereignis bevor: 44 lange Jahre ist es her, dass Spanien zuletzt oder genauer gesagt: überhaupt einen großen internationalen Titel feiern konnte. Und der Einzug ins Finale bei diesem Turnier kam dann doch für viele überraschend. „Vor der WM hat man das Team in den Himmel gelobt“, erzählt Thomas, „da waren sie praktisch schon vor Turnierbeginn Weltmeister, und dann hat es nicht geklappt. Dieses Mal hat man eher tief gestapelt, auch in den Medien, aber nun ist die Begeisterung natürlich riesig. Nach den Spielen finden überall in Spanien Partys statt.“

Auch im Gastgeberland Österreich schlägt man sich – nicht völlig überraschend angesichts des Finalgegners – in der Mehrzahl auf die Seite der Iberer. „Wir haben den Eindruck, dass die Österreicher zu Spanien halten, wir hören viele positive Kommentare zu den spanischen Fans und der Mannschaft“, erzählt Thomas. Ob die spanischen Spieler und ihre Anhänger ihre Feierkünste nach dem morgigen Finale auch richtig unter Beweis stellen werden, bleibt abzuwarten. Thomas Herzogs Tipp ist ein klares 3:1: „Spanien wird auf jeden Fall Europameister.“

Website der spanischen Fanbetreuer: www.hincha.org

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